Hi peer,
auch wenn dieser Thread jetzt etwas abgleitet (wohin können wir diese Diskussion verlegen?):
Das ist schon ein vielschichtiges Thema. Nur ein paar Anreißer:
- Auch wenn manche Radfahranlagen objektiv gefährlicher sein mögen als das Fahren auf der Fahrbahn: Ich denke, für die Mehrheit der Noch-nicht-Radfahrerinnen und der Anfänger stellt sich ein Radweg als subjektiv ungefährlicher an. Und ich denke, diese Leute würden ohne Radwege nie beginnen, Rad zu fahren. Wir brauchen aber viele, viele RadlerInnen, wenn wir die Verkehrssicherheit für sie erhöhen wollen. Und die urbane Mobilität verändern.
Darüber, dass in erster Linie die Menge der RadlerInnen die größte Sicherheit erzeugt, sind wir uns ja wohl einig, oder? Wer´s dann erst mal gelernt hat, fährt eh auf der Fahrbahn. Und dass die Benützungspflicht weg gehört, darüber sind wir uns auch einig.
- Davon abgesehen: Ich bin zwar ein alter Alltags- und zuweilen auch Kampfradler, aber in der Freizeit kann ich auch mal einen Radweg genießen. Ich fahr ja auch auf der Donauinsel nach Langenzersdorf und nicht ausgerechnet auf der Prager Straße. Ist einfach schöner.
- Zu den Mehrzweckstreifen: Ich persönlich empfinde sie als ein absolutes Plus. Zumal sie auch besser werden. Am Anfang gab es wirklich die 50cm-Streifen, mittlerweile werden die echt großzügig geplant - für die Neuwaldeggerstraße hab ich Pläne mit bis zu 1,70m gesehen.
Was ich an den Streifen mag, ist, dass ich in einem Stop-and-Go Autoverkehr vorfahren kann - nicht besonders schnell, aber gegenüber Staustehen durchaus zeiteffizient. Zwischen links-rechts verschoben anstehenden Autos dauernd herumkurven zu müssen, ist erstens nicht besonders schnell und zweitens stressig.
Und Zeiteffizienz ist ein sehr wichtiger Faktor, eine der Hauptstärken des Radfahrens.
- Klar ist, dass man das Radfahren in der Stadt auch lernen muss, damit auch die richtige Benützung dieser Streifen. Dh. genügender, geschwindigkeitsabhängiger Abstand zum ruhenden Verkehr, inkl. Türöffnungsreichweite und Ausweichtoleranz gegenüber Brutalos von hinten. Völlig legitim, den Streifen nach links zu verlassen - was man üblicherweise eh bei einer Geschwindigkeit macht, wo RadlerInnen schon als gleichwertig angesehen werden. Auch hier spielt uns die subjektive Sicht einen Streich: Es ist gefährlicher, am Rand zu fahren: eine öffnende Autotür wirft dich in den Fließverkehr, ein streifender Überholer in den ruhenden.
Ein absolut mieses Beispiel ohne MZS ist die Alser Straße (obwohl der 9. Bezirk sonst echt was getan hat), vor allem morgens stadteinwärts. Hier heißt´s entweder anstehn oder auf der Bimtrasse fahren - aber auch das macht Stress; und wir reden ja hier über legale Möglichkeiten.
- Noch was zu den Streifen: sie machen den Radverkehr sichtbar. Genauso, wie alle - und ich meine auch schmale - Einbahnen für den Radverkehr geöffnet werden sollten, sollte dieser Streifen in Fahrbahnrichtung in alle Straßen. Hier sind allerdings Fehler gemacht worden, Bsp. ist der Getreidemarkt, wo einfach ein Teil der rechtesten Spur abmarkiert wurde. Das ist Mist, da kann man nur ganz brutal die ganze Spur nehmen. Es gibt aber auch Beispiele, wo drei Spuren in 2+1 umgewandelt wurden. Das ist schon ok.
Nun gut, wenn wir uns mal einem Modal Split von 8-10% angenähert haben, wird sowieso alles anders aussehen. Bis dahin kann es nur heißen: Bringt alles auf die Räder, was nur geht - auch am Radweg. Aller Verkehr ist Psychologie.
LG, Cris