im neuen presseartikel "Rotlicht, Vorrang ignoriert: Immer mehr tote Radfahrer"
http://diepresse.com/home/panorama/oesterreich/441359/index.do?_vl_backlink=/home/index.do
wird fälschlicherweise ein bild von fahrradrowdies gezeichnet und ihnen unterstellt an den meisten unfällen "eh selbst schuld" zu sein. o-ton:
Das Risiko, als Radfahrer im Straßenverkehr getötet zu werden, hat sich im Jahr 2008 um 70 Prozent erhöht. Schuld daran waren selten die anderen, meistens machten die Radfahrer selbst die Fehler.
Die überwältigende Mehrheit der verbliebenen 43 Opfer erlag nach den Unfallberichten der Exekutive jedoch ihrem eigenen Fehlverhalten. Die häufigsten Ursachen für die Trendwende bei der mittelfristigen Entwicklung des Radfahrer-Blutzolls (siehe Grafik) waren Vorrangverletzungen wie Missachtung von Rotlicht, Stopp- oder Vorrang-Tafeln (20 Tote). Sechs Radler starben wegen nicht angepasster Fahrgeschwindigkeit, zwei weitere, weil sie alkoholisiert unterwegs waren.
zwar stimmt, dass die meisten unfälle auf eigenes fehlverhalten zurückzuführen sind, aber andere verkehrsteilnehmer sind auch nicht besser - und deshalb stört es mich, dass dies gerade bei radfahrern herausgehoben und betont wird, aber gleichzeitig (ohne jeglichen beweis) erwähnt wird, dass autofahrer nämlich disziplinierter sind, als es ihr ruf in radfahrer-kreisen erahnen lässt.
meine kritik:
1. beim pkw und motorrad sind ca. 1/3 aller unfalltoten durch alleinunfälle umgekommen. siehe etwa http://www.statistik.at/web_de/statistiken/verkehr/strasse/unfaelle_mit_personenschaden/017800.html (bezieht sich zwar auf alle verkehrsteilnehmer, aber als fußgänger und radfahrer verunglücken wohl wenige ohne fremdes zutun tödlich - außerdem stellen die pkw-lenker und -beifahrer eh die mehrheit aller unfallstoten, also sollte es ganz gut hinkommen). wenn man nun bedenkt, dass von den restl. 2/3 auch die hälfte schuld ist (wenn zwei fahrzeuge in einen unfall verwickelt sind, hat meist einer die hauptschuld) - dann sind beim pkw auch 2/3 der unfälle durch eigenes fehlverhalten zustandegekommen. davon steht im artikel aber natürlich nichts.
2. anscheinend ist nur die überwältigende mehrheit der verbliebenen 43 Opfer "selbst schuld". wieviele also tatsächlich? 43 oder vllt. nur 22? selbst wenn es 43 wären, wären das ca. 2/3 aller radfahrer, und somit etwa soviel unfall"täter" wie es auch autolenker bei unfällen mit todesopfern sind (siehe 1.). was ist daran also so verdammt besonders, dass man es extra herausstreichen und radfahrer schlecht machen muss???
3. fehlverhalten ist ein dehnbarer begriff. und erst recht heißt es nicht "alleinige schuld". wenn ich sehe, dass mir jemand den vorrang nimmt oder mir ein hund ins fahrrad springt, und ich trotzdem unbeirrt weiterfahre, ist das wohl auch fehlverhalten im weiteren sinn, aber trotzdem nicht meine schuld.
4. hier wird nicht von personen geredet, sondern von "autofahrern" und "radfahrern". es sind also "autofahrer" nur an ca. 1/3 der radunfälle schuld, aber 2/3 der radfahrer. wenn man bedenkt, dass kein radfahrer an dem unfalltod eines autofahrers verantwortlich ist (wohl aber die meisten autofahrer entweder von sich selbst oder einem anderen autofahrer getötet wurden), dann würde die rechnung eigentlich zugunsten der radfahrer aufgehen. meiner meinung nach müsste ein aufmacherischer titel also lauten "radfahrer verursachen weniger tödliche verkehrsunfälle als autofahrer". das stimmt in absoluten zahlen sowieso, aber nach obigen überlegungen auch relativ gesehen ;-).
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naja. dafür auch noch ein etwas positiver in der presse "Verkehr: So wird Österreich zum Fahrrad-Land"
Alle reden vom Fahrrad, doch kaum jemand steigt um. Ein Wissenschaftler macht nun Vorschläge für einen radfreundlicheren Alltag und nennt als Handicaps viel zu geringe Investitionen und ein schlechtes Image.
das mit dem schlechten image haben sie bei der presse aber anscheinend selbst noch nicht verstanden..