Wieder mal Knoflacher. Der Mann ist wirklich unbezahlbar. Und die Lektuere seiner Buecher kann jedem nur intensivst empfohlen werden (falls es wirklich noch wen gibt der sie nicht kennt).
Verkehrsexperte: Autoreduktion in Wien "realistisch"
22.11.2010 | 10:49 | (DiePresse.com)
Der Verkehrsplaner der TU, Hermann Knoflacher, hält die von der neuen Stadtregierung geplante Autoreduktion für "sehr realistisch". Schlüssel dazu sei allerdings die Parkraumbewirtschaftung.
Der bekannte Verkehrsplaner Hermann Knoflacher bezeichnet das im rot-grünen Koalitionspapier festgehaltene Verkehrskonzept für Wien als "ganz vernünftig". Geplante Maßnahmen wie etwa die Reduktion des motorisierten Individualverkehrs um ein Drittel sowie die Steigerung des Öffi- und Radfahreranteils hält der Professor an der Wiener Technischen Universität für "sehr realistische Ziele". Es komme aber darauf an, was man aus den Absichtserklärungen mache. Eine Schlüsselrolle misst Knoflacher dabei der künftigen Parkraumbewirtschaftung zu.
Reduktion nur über Parkgebühren möglichSowohl die Zurückdrängung des Autoverkehrs um mehr als 30 Prozent - laut Knoflacher "nicht ausreichend, aber es geht in die richtige Richtung" - als auch die Anteilssteigerung der öffentlichen Verkehrsmittel von derzeit rund 35 auf 40 Prozent könne nur über eine Ausweitung von gebührenpflichtigen Parkplätzen funktionieren, ist der Fachmann überzeugt: "Das muss noch geknackt werden und ich hoffe, dass das sehr schnell gemacht wird".
Außerdem brauche es eine Umorganisation der Abstellplätze. Knoflacher plädiert für einen Ausbau von Anrainergaragen. Dieser ist im Regierungsprogramm auch festgehalten. Allerdings wäre dies laut dem Verkehrsplaner lediglich dann sinnvoll, wenn parallel die Oberflächenparkplätze im selben Ausmaß reduziert würden. Hinsichtlich der Wirkung eventueller Umweltzonen, also Einfahrtsbeschränkungen oder -verbote für schadstoffreiche Fahrzeuge in bestimmte Stadtgebiete, ist der Verkehrsplaner skeptisch: Diese seien schwer zu kontrollieren und dienten vorrangig der Bewusstseinsbildung.
Motorisierung in Wien rückläufigSollten die rot-grünen Verkehrspläne tatsächlich umgesetzt werden, erwartet Knoflacher jedenfalls den nötigen Rückhalt seitens der Wiener. Immerhin sei die Motorisierung in der Bundeshauptstadt seit 2002 rückläufig, insofern das rot-grüne Verkehrskonzept "im Zeitgeist der Bevölkerung" geschrieben: "Die Wiener haben erkannt, dass sie in ihrer Stadt sehr gut leben können, ohne so viele Autos zu haben."
Ein "gewisses Risiko" sieht der Uni-Professor trotz allem "überall dort, wo alles nur mit partizipativen Geschichten" stattfindet. Er sei keineswegs gegen Bürgerbeteiligung, jedoch müsse im Hintergrund ein fundiertes, fachlich erarbeitetes Konzept stehen, um Vorhaben bzw. Entscheidungen nachvollziehbar zu machen. "Wenn man das nur mit Lokalbeteiligungen macht, kann das Gesamtsystem ins Wanken kommen", warnt Knoflacher.
Was der Wissenschafter im Pakt vermisst, ist ein Wechsel von einer "Projektfinanzierung" hin zu einer "Systemfinanzierung". Derzeit gebe es das Problem, dass Budgetmittel für ein Zielgebiet immer separat bestimmten Verkehrsarten zugeordnet seien. Hier müsse man flexibler werden, um Maßnahmen besser aufeinander abzustimmen, wünscht sich Knoflacher.