Stadt Wien verarscht und vertreibt WagenplatzbewohnerInnen

Tja, kaum waren die Wahlen vorbei, da hatte die Stadt Wien nix anderes zu tun, als endlich die Wagenplätze Wiens kurz vor dem Winter wieder mal gscheit niederzutreten.  Wir erinnern uns:  es gab einen Wagenplatz in Simmering wo die Wagenplatzmenschen einen Platz gemietet und bezahlt haben und der Vermieter damit einverstanden war. Die Stadt Wien war es nicht und hat die Leute vertrieben. Mit irgendwelchen Bau- und Wohnvorschriften. Darum haben sich dann drei neue prekäre Wagenplätze gebildet, weil die Leute mussten und wollten ja auch wohin. Zu Recht 🙂  Und jetzt vor dem Winter greift die Stadt Wien wieder mit Gewalt und Gemeinheit durch.

Begonnen hat es am 19.Oktober mit dem Wagenplatz Lobau, wo die Stadt Wien Anfang Sommer einigen WagenplatzbewohnerInnen für drei Jahre zu einem teuren Preis ein Stück Grund vermietet hat. Leider ohne dazu zu sagen, dass für genau diese drei Jahre 1m neben dem Wagenplatz eine Tag- und Nachtgrossbaustelle mit Flutlicht für einen Kanal errichtet wird. Baubeginn war diese Woche – und damit haben es auch die WagenplatzbewohnerInnen erfahren.   Die Stadt Wien hat diese Gruppe von Leuten also schlicht und einfach gehörig verarscht.

Ein paar Tage darauf wurde der Wagenplatz Baumgasse, wo sich einige andere Wägen unter dem Namen „Treibstoff“ zusammengeschlossen haben und auf einem ungenutzten Platz ihre Wägen abgestellt haben mit massiver Repression vertrieben. Die meisten Wägen und Hänger wurden kostenpflichtig abgeschleppt und die Leute sitzen jetzt auf den Abschlepprechnungen von 10.000€

Und morgen kommen die letzten paar freien Wägen in der Hafenstrasse dran. Die dort auf einem Baustellenlagerplatz stehen und mit den Baustellenleitern ausgemacht haben, ob das eh passt. Für die passt es. Die brauchen den Platz ned. Aber das macht der Stadt Wien nix. Was nicht sein darf, kann auch nicht sein, also räumen wir auch da noch rein.

Fazit:

Ungefähr 30 Wägen gibts in Wien. Mit Menschen, die in diesen Wägen wohnen wollen. Und das sind meist gemütliche und schöne Wägen. Warm, kuschelig.Und die Leute leben dort, gehen von dort arbeiten, in die Schule, auf die Uni oder was auch immer sie halt grad in Ihrem Leben machen.  WC-Wagen, Duschwagen. Gibts alles. Wie ned nur in Wien sondern in fast allen Städten dieser Welt.  Auch in der Schweiz zB in Zürich und in Genf. Da gibts pro Stadt etliche Plätze. Und funktioniert tadellos.

Genauso wie in Wien organisieren sich die Leute einen geeigneten Platz, der leersteht oder der vermietet wird und dann wohnen sie dort. Macht Sinn – stört niemanden.

Ausser die Stadt Wien. Die echt keine Repression, kein hinterlistiges Mittel auslässt um diesen 20 Leuten das Leben so schwer zu machen wie nur irgendwie möglich.

Es ist zum Kotzen. Zum Weinen. Zum Schreien. Und einfach unverständlich.  Und es ist Zeit zum Aktiv werden.

Wien braucht Wagenplätze. Wien will Wagenplätze. Wien wird Wagenplätze haben.

Bereits bei der Räumung des Wagenplatzes Simmering haben sich viele CM-FahrerInnen solidarisch mit den Wagenplatzleuten gezeigt:

https://www.criticalmass.at/1847


13 Responses to “Stadt Wien verarscht und vertreibt WagenplatzbewohnerInnen”


  • Also ich kann mich mit den Wagenplätzen nicht identifizieren und will das auch nicht tun. Denn weder halte ich etwas von Autos noch von dieser Art der ineffektiven (Flächenverbrauch, Zersiedelung etc.) Bewohnung die so ein Wagenplatz vorlebt… .

  • seh ich nicht so.
    denn einerseits sind die meisten Wägler_innen ziemlich immobil, die leben halt in ihren wägen und bewegen sich damit ziemlich selten. und andererseits sind die so wenige und marginal, dass sie weder was zum zersiedelungsprozess beitragen noch wirklich viel fläche brauchen.

  • hmmm … ich frage mich ob es darum geht. ob es in diese frage wirklich um zersiedelung geht. ob es überhaupt darum geht, ob menschen sich mit dieser form des lebens identifizieren können oder nicht.

    Wien ist eine Stadt mit vielen unterschiedlichen Flächen. Verdichteter Wohnbau, zersiedelte Gegenden, Industrieflächen und vor allem ganz ganz viele ungenutzte Wohnungen und Flächen. Und dann gibt es 30 Leute, die diese ungenutzten Flächen nutzen wollen um Ihre Wägen dorthinzustellen. Und vielleicht auch Miete dafür zahlen würden. Und sogar das Einverständnis der BesitzerInnen haben.

    Und dennoch setzt die Stadt Wien und der Verfassungsschutz eine Repressionsmaschine in Gang, um diese 30 Leute regelmässig zu verarschen und zu vertreiben.

    Ich glaube dass es darum geht und die Diskussion ob Wagenplätze Zersiedelung sind, wenn sie auf einer der zahllosen seit Jahren ungenützten Flächen in Wien stehen … die klingt angesichts dieser Tatsachen etwas … zynisch 🙂

  • Hi,

    ich möchte auch nicht in einem Wagen wohnen, ABER das heißt nicht, dass ich die Leute vertreiben würd.

    Ich kenn leider die Vorgeschichte zu wenig, aber welches Problem (nicht welche Vorwände) hat die Stadt Wien tatsächlich mit derartigen „Wohnprojekten“?

    gruß

  • Ich muss Radler leider recht geben und glaube, dass wir hier mit zweierlei Maß messen: Für mich wärs z.B. nicht OK, wenn Autofahrer ihr Auto auf der Donauinsel parken weil sie woanders keinen Platz finden. Oder wenn sie gleich über mehrere Monate lang dort campen. Ist es deswegen OK eine Ausnahme zu machen, „nur“ weil es sich um einen Wagenplatz handelt?

    Zu dem Argument mit der Miete: Soweit ich weiss war die vermietete Fläche damals nicht als Wohnfläche gewidmet. Sicher kann man jetzt argumentieren, dass ist egal, und die Stadt Wien soll deswegen nicht so einen Aufstand machen. Andererseits gibt es an Wohnflächen höhere Anforderungen, und zumindest ich würde nicht wollen, dass z.B. Vermieter als nicht-Wohnfläche gewidmete Wohnungen (ohne Sanitäranlagen) legal vermieten dürfen.

  • „[…] hatte sich die Gruppe entschlossen, einen Großteil der Wägen abschleppen zu lassen. Sie hätten damit aufzeigen wollen, dass sie diesmal nicht freiwillig zum Verlassen eines Grundstücks bereit gewesen wären […]“ (mob, derStandard.at, 22.10.2010)
    „massive Repression“ schaut anders aus. man sollte die „repressions-/faschismuskeule“ ebenso wenig leichtfertig gebrauchen wie die „nazikeule“ imho.

    „warm und kuschelig“… bei der dämmung? nur mit großem energieaufwand.

    oberflächlich betrachtet (und zu mehr bin ich nicht motiviert), hab ich kein verständnis.

  • @ameno:
    naja, wenn wega und verfassungsschutz auftaucht … dann ist das repression oder?

    @steve: du vergleichst äpfel mit birnen. autos parken in der ganzen stadt u fast alle haben verständnis dafür. extrem viele wohnungen und grosse flächen stehen in wien seit jahren aus spekulationsgründen ungenutzt leer. und wenn 20 wägen sich auf eine solche fläche stellen wollen, dann versteht das keiner? also ich versteh das sehr gut.

  • @mirakulus: „sind die so wenige und marginal, dass sie weder was zum zersiedelungsprozess beitragen noch wirklich viel fläche brauchen.“ –> die 3 einfamilienhäuser in ebreichsdorf sind auch so wenige… :/

    @ameno: über den energieverbrauch des wagenplatzes würde ich auch gerne mehr wissen.

    p.s. ich finde die bezeichnung „verarscht“ finde ich dem generellen umgangston auf der cm-homepage gegenüber nicht sehr angebracht

  • Hallo radler,
    nur zur deimer info: ich hab mal in einem Wagen gewohnt, bin aber dann doch wieder in eine wohnung gezogen. ist halt doch gemütlicher. (-:
    und das ist eben der unterscheid: nicht die 3 einfamilienhäuser in ebreichsdorf sind das problem, sondern dass es einen massenhaften wunsch nach einem häuschen im grünen und doch in der nähe der stadt gibt; und die, die sichs leisten können, machen das auch.
    aber we will schon in einem wagen leben? selbst in städten, in denen wagenleben kein problem darstellt und es eine gewisse tradtion gibt, gibt es nicht mehr als 10 plätze. sie sind selbst dort eine absolut vernachlässigbare grösse in der zersiedelungsdynamik.
    ad energiebilanz: es gibt natürlich keine einheitliche energiebilanz: manche wägen sind besser isolier, manche schlechter, manche haben photovoltaik, andere brauchen strom von draussen, manche sind stationär und können sich nicht bewegen(Zirkuswägen), manche bewegen sich öfters,…
    generell ist der ökologische fussabdruck ein gereinger, aus einem naheliegendem grund: das heizen selbst eines schlecht isolierten 8m² Wohnwagen braucht weniger Energie als das Heizen einer gut isolierten 50m² Wohnung. Dazu kommt, dass viele Wägler_innen eine gewisse liebe zur einfachheit/naturverbundenheit/konsumkritik haben, und dadurch auf wagenplätzen relativ wenig luxus/elektrogeräte/etc. gibt.
    ad verarscht. ich finde das wort harmlos angesichts dessen, was die stadt wien da aufführt.

  • @energieverbrauch & schlecht gedämmt: ich hab diesen sommer rund 800€ in öko-dämmstoffe für meinen wagen investiert; geheizt wird mit holz (z.b. mit bauholzabfällen von der baustelle nebenan 😉 ). und damals noch zu acht hatten wir eine stromrechnung von 80€ pro monat, was ich früher fast zu zweit in der wohnung gezahlt habe. teilweise produzieren wir unsren strom auch selbst.
    mit einer mülltonne für mittlerweile 20 personen kommen wir locker aus.
    und weil wir die natur ja wirklich vor der wagentür haben liegt den meisten von uns diese doch irgendwie am herzen. so verwenden wir das waschmaschinenwasser nochmal zum klospülen, trennen müll und fahren fahrrad 😉
    @flächenverbrauch & repression: ja stimmt in einem mehrstöckigen wohnhaus würden hier mehr menschen wohnen können. nur ist hier die bauhöhe durch den bebauungsplan auf 4,5m beschränkt, was eher nur für ein einfamilienhaus reichen dürfte. auf einem grund auf dem ein oder zwei familien platz hätten wohnen derzeit 20 menschen, drei katzen & hunde, 7 hühner und ein kanickel. ich find persönlich, dass das eine ganz gute ausnützung der fläche ist, wobei es gerade eher eng wird.
    @verarsche: ich glaube es is irsinnig schwer zu verstehen, was hier gerade passiert, wenn mensch es nicht mit eigenen augen gesehen / eigenen ohren gehört hat. ich hab auch nicht daran gegelaubt, dass das medial einzufangen ist. 2 junge menschen von der filmakademie haben das aber geschafft. ich werd den link posten sobald das kurze filmchen online ist.

    achja: die meisten von uns (auch ich) wohnen in nicht motorisierten fahrzeugen, also bau- oder zirkuswägen, die, die in lkws oder umgebauten wohnmobilen leben bewegen die nur sehr selten (z.b. bei umzügen oder auf urlaub)

    soviel mal dazu von mir, Grüße aus der Lobau

  • ich denke es geht eher darum wie die stadt mit den wagenplätzen umgeht als darum, ob wir uns mit deren lebensweise identifizieren können.

    die stadt sollte die leute gleich wie die anderen behandeln und so leben lassen wie sie wollen. es gibt wohnbauförderungen, mietzinsbeihilfen, gemeindewohnungen. alle diese förderungen stehen leuten in wägen leben wollen nicht offen und ich bin mir sicher, wenn man die zusammenrechnen würde, für die anzahl der menschen, die in einem wagenplatz wohnraum schaffen würden, müßte sich eine platzmiete ausgehen, die sich die wagenplatzleute leisten können.
    die stadt sollte sich überlegen wo sie einen ort finden kann, der für beide seiten zufriedenstellend ist und mit etwaigen privateigentümern verhandeln. so würde ich mir den umgang damit vorstellen. anstelle dessen werden die wagenplätze dauernd vertrieben und hingehalten.
    und das sollte die cm durchaus miteinfordern.

  • Ich habe mal in einem Wohnwagen gewohnt … Jahresverbrauch unter (!) 200 kW/h elektrisch sowie 5 bis 6 11-kg-Flaschen Gas. Als „Hausbewohner“ da mit dem „ökologischen Footprint“ zu kommen finde ich schon gelinde gesagt frech.

    Es grüßt Euch: Stoffel

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