Die Critical Mass Wien rollte erstmals im März 2006. In ihrem zwanzigsten Jahr wurde dieser Text verfasst, der den Rahmen der CM Vienna in sechs Kapiteln beschreibt, in dem sie sich bewegt. Er basiert auf den Erfahrungen dieser zwei Jahrzehnte. Feedback dazu gerne bei der nächsten CM! Oder unter cmvie@gmx.at
Wir rollen als politische Party.
Die Critical Mass Wien (CM) versammelt sich, um für #MehrPlatzFürsRad einzutreten. Dieses per se politische Anliegen für sicheren Radverkehr und Flächengerechtigkeit in Wien richtet sich im Kontext der Klimakatastrophe an alle relevanten Politiker:innen in Wien, ob Bürgermeister, Stadträt:in, Bezirksvorsteher:in oder Gemeinde- und Bezirksrät:innen. Das bedingt gleiche Distanz der CM zu allen politischen Parteien. Parteisymbole sind bei der CM nicht erwünscht. Unser Anliegen vertreten wir parteifrei mit bunter Freude und lautstarker Musikbegleitung, denn das bringt uns Spaß und Aufmerksamkeit. Im Schlussbereich der CM versuchen wir eine musikfreie Zone für Ruhebedürftige zu belassen.
Als Endpunkt einer CM suchen wir uns Orte, an denen Musik und Feiern konsumzwangfrei möglich sind, ohne Probleme mit Lärmbelästigung zu verursachen. Wir freuen uns über Einladungen an Orte, wo dies ohne finanzielle Gewinnabsicht ermöglicht wird, ohne dass die Anlässe unseren Grundprinzipien widersprechen.
Unsere Botschaft ist einfach, klar und konkret.
Der Einsatz als Critical Mass Wien für die Forderung #MehrPlatzFürsRad umfasst den Konsens, unter dem sich verschiedenste Menschen zur gemeinsamen Fahrt versammeln. Diese monatlichen CM Fahrten sind unsere Manifestation. Wir fahren dabei fallweise zu Orten, an denen sicherer Radverkehr nicht möglich ist, um explizit darauf aufmerksam zu machen.
Darüber hinaus bringen wir keine Detailforderungen vor, denn die CM hat und will kein Gremium, das über solche Forderungen beschließen kann. Die große fluktuierende Gruppe der CM Mitfahrenden könnte auch nicht adäquat in solche Entscheidungen eingebunden werden und soll nicht für Forderungen instrumentalisiert werden.
Wir stören nicht den Verkehr, wir sind der Verkehr.
Die Critical Mass Wien nimmt sich einmal im Monat den Raum, der Radfahrenden in Wien ansonsten vorbehalten bleibt, da es an zukunftsfähiger Verkehrspolitik mangelt. Die Größe der CM führt dazu, dass motorisierter Individualverkehr für wenige Minuten warten muss, wie es der Radverkehr die restlichen Tage des Monats zu ertragen hat. Wir nehmen aber während der CM davon Abstand, Autofahrer:innen zu provozieren.
Wir wollen weder die öffentlichen Verkehrsmittel über Gebühr verlangsamen noch Fußgänger:innen aufhalten. Wir geben diesen den Vortritt, wo immer das trotz der Größe der CM möglich ist. Wo es nicht möglich ist, sind wir rücksichtsvoll und hoffen auf Verständnis. Einsatzfahrzeugen machen wir sofort Platz.
Die Critical Mass Wien kommt nicht ohne Organisation aus.
Die CM rollt in Wien monatlich seit 2006. Das wäre nicht so möglich, wenn sich nicht einige Menschen um Grundlegendes kümmern würden. Diese Menschen wechseln über die Jahre, die Aufgaben bleiben gleich: Ankündigungen, Polizeikontakt, Routenkoordination, Endpunktsuche, Troubleshooting, Pressekontakt. Die CM selber rollt aber auch ohne sie, denn Startzeit und Ort sind unverändert bekannt.
Die Gruppe dieser Menschen hat sich „Stützrad“ genannt, weil sie die CM in ihrer Existenz unterstützt. Manche von ihnen sind seit über 15 Jahren für die CM aktiv, manche seit kurzem. Die Gruppe ist offen für neue Unterstützer:innen, die produktiv zum Gelingen der CM Wien unter diesen Rahmenbedingungen beitragen möchten. Meldet euch bitte unter: cmvie@gmx.at
Wir geben die Route vor, ohne sie polizeilich anzumelden.
Die Critical Mass Wien wird von Polizei begleitet, da diese für die Sicherheit der CM in Wien sorgt und Autofahrende davon abhält, die CM zu gefährden. Die Route der CM wird aber nicht von der Polizei bestimmt, sondern von den voranfahrenden CM-Mitfahrenden der Stützradgruppe. Diese sind für eure Routenwünsche während der Fahrt offen, lasst es sie wissen. Die CM behält dabei ihre Handlungsmöglichkeiten im Rahmen des Verfassungsrechts auf Versammlung.
Wir nehmen unsere Verantwortung für die CM an, indem wir durch „Corken“ auch selbst Kfz von der CM fernhalten. Die CM quert rote Ampeln oder macht Zwischenstopps, wenn es für den Zusammenhalt der CM nötig ist.
Gegen Diskriminierung und für Abgrenzung.
Wir unterstützen eine demokratische, freie, gerechte, ökologische und solidarische Gesellschaft ohne Einschränkungen durch Herkunft, Hintergrund, Geschlecht, sexuelle Orientierung oder Staatsbürgerschaft. Die Critical Mass Wien soll ein sicherer Raum sein, in dem dieses Zusammenleben möglich ist.
Daher ist es notwendig, dass wir uns als CM gegen Inhalte und Menschen abgrenzen, die diesen Prinzipien widersprechen oder Menschen diskriminieren. Dafür übernehmen alle Mitfahrenden der Wiener CM Verantwortung.
(Frühjahr 2025, Stützradgruppe der CM Vienna)
