Zugegeben, mein Traum vom Individualverkehr in Wien sieht deutlich anders aus, aber da bei mir doch immer ein wenig die Angst mitfährt, versuche ich stets, dem KFZ-Verkehr so großräumig auszuweichen, wie es nur möglich ist. Und da stellt diese neue Einrichtung im Westen von Wien eine höchst willkommene Routen-Alternative dar. Oder?
Kurz zur Geschichte dieses Rad-Highways:
Das ist jenes architektonische Meisterwerk, von welchem absolut jede in Wien vertretene Partei verlautbart, dass sie es ganz alleine und gegen den 15-jährigen Widerstand aller anderer in Wien vertretener Parteien realisiert hat. Selbstverständlich hat dies auch jede Partei ganz alleine für ihr Klientel verwirklicht. Während dieses Bauwerk von der einen Seite den Radfahrern eben als Rad-Highway versprochen wurde, wurde es von einer anderen Seite als das neue Naherholungsgebiet gepriesen. Und genau so vermischt sieht die Nutzung auch aus.
Ich benutze inzwischen täglich diesen Highway - außer es regnet, oder es ist schon dunkel, denn dann wird der Highway einfach gesperrt. Ein Highway mit Öffnungszeiten?! Wäre doch z.B. auch für die Südosttangente andenkbar,...?
Zurück zum Thema. Es fährt sich ganz gut dort. Auch, wenn man sich vielleicht ein wenig outgesourced fühlt und nur an markant hohen Gebäuden am Rande des Grabens erkennen kann, wo man sich ungefähr befindet. Aber ich soll nicht lästern. Mit jenen Menschen, denen der Highway als Naherholungszone verkauft wurde - wo es endlich keinerlei Leinenzwang mehr gibt - kommt man ganz gut zurecht. Was aber auch nur daran liegen mag, dass der Highway von Beginn an relativ gut von den Radfahrern angenommen wurde. Es ist eben auch hier nur eine Frage von mengenmäßiger Inbesitznahme. Wer mehr ist - gewinnt. Wie halt ein paar Meter weiter oben das KFZ.
Also: Taugt er jetzt was, oder nicht?
Einerseits: ja. Ich kann die fünf Kilometer bis nach Hietzing ohne größeren psychischen Stress zurücklegen und muss mich nicht mehr zwei Mal pro Woche von einem rasenden Taxifahrer in der 30er Zone überfahren lassen.
Andererseits: nein, nicht wirklich. Jeder Radfahrer hier im Graben fehlt deutlich in der Wahrnehmung der motorisierten Verkehrsteilnehmer oben auf der Straße. Da helfen auch die lustigen Messstationen kaum etwas - ganz frei nach dem Motto: aus den Augen, aus dem Sinn!. Wenn in der Auhofstrasse wirklich niemand mehr mit dem Rad fährt, wozu dann bitte noch eine 30er Zone, oder andere Massnahmen für den nichtmotorisierten Individualverkehr?! Wie schnell das geht mit dem Zurückwidmen von verkehrstechnischen Lösungen - wenn es bitteschön dem KFZ-Verkehr dient - dies darf man als Radfahrer ja des öfteren beobachten.
Na super. Wieder einmal liegt die Entscheidung nur bei mir: Will ich sicher fahren, oder politisch sinnvoll...?!