UNGLÜCK: Junge Mutter stirbt bei Radunfall
33-Jährige fährt gegen plötzlich geöffnete Autotür eines Pizza-Service / Wagen stand auf RadwegPOTSDAM / BABELSBERG - Überall Blaulicht, ein Fahrrad liegt auf der Großbeerenstraße, ein aufgeklappter Notarztkoffer, unter einem weißen Tuch ein Mensch – reglos: Für die Potsdamerin Antje S. kommt jede Hilfe zu spät. Die Radfahrerin stirbt nach einem Verkehrsunfall vor der „Hallo Pizza“-Filiale. Eine ältere Frau, deren Tochter in der Nähe wohnt, fragt besorgt nach dem Alter der Toten: „33“, lautet die Antwort. Es ist Donnerstagabend gegen 20 Uhr.
Die junge Frau ist die zweite Radfahrerin, die in diesem Jahr im Potsdamer Straßenverkehr unschuldig ihr Leben verliert. Sie hinterlässt eine kleine Tochter. Polizeisprecher Mario Heinemann schildert den Unfallhergang: Antje S. fuhr stadtauswärts auf dem markierten Radweg. Vor dem Pizza-Laden im Haus Nummer 21 parkte der 31-jährige Fahrer des Franchise-Unternehmens seinen Smart. „Die Radlerin kam offenbar in dem Moment, als dieser die Autotür öffnete. Dadurch stürzte sie und stieß im Fallen mit einem überholenden Mercedes zusammen“, berichtet Heinemann, was die Ermittler rekonstruierten. Die Mercedes-Fahrerin war erst 22 Jahre alt. Laut Heinemann erlitten beide Autofahrer einen Schock und mussten ins Krankenhaus: „Sie konnten bisher nicht vernommen werden.“ Die Kriminalpolizei ermittelt gegen sie wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung. Diese kann gemäß Strafgesetzbuch mit einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe geahndet werden.
Laut Heinemann wurden das Fahrrad, der Pizza-Smart und der Mercedes nach einer ersten Untersuchung am Unfallort durch einen Spezialisten des Bereiches Verkehrsdelikte für weitere Ermittlungen sichergestellt.
Beschäftigte der einzigen „Hallo Pizza“-Filiale der Stadt wollten sich zu dem Unglück nicht äußern und verwiesen auf die Zentrale im Rheinland. Sprecher Michael Jansen: „Alle, die Emotionen haben, sind tief betroffen.“ So ein Unfall dürfe „nie, nie passieren“. Er sei einmalig in den letzten 20 Jahren. „Für unsere Fahrer gilt wie für alle Verkehrsteilnehmer die Straßenverkehrsordnung.“ Alle Filialen würden über den Vorfall informiert und die Fahrer abermals geschult werden. Anlieger berichten, dass die Pizza-Autos regelmäßig auf dem Radweg halten, um neue Ware abzuholen. Betroffen reagierte Annette Kretschmann, Landesgeschäftsführerin des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC). Als Konsequenz die Helmpflicht für alle Radfahrer einzuführen, wäre „das falsche Signal“, sagt Kretschmann. Sie plädiere dafür, dass Autofahrer mehr Rücksicht nehmen und alle sich an die Verkehrsregeln halten. Am 4. Juli dieses Jahres war schon einmal eine Radlerin zu Tode gekommen: Die ältere Frau war an der Kreuzung Benzstraße/Paul-Neumann-Straße von einem Transporter angefahren worden. Auch gegen diesen Fahrer wird ermittelt. Das Verfahren ist bei der Staatsanwaltschaft. (Von Carola Hein)
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Verkehr: Polizei jagt Radwege-Parker
Konsequenzen aus tödlichem Fahrradunfall: Streifenbeamte sollen härter durchgreifenPOTSDAM / BABELSBERG - Die Polizeiführung der Landeshauptstadt hat infolge des tödlichen Fahrradunfalls vom Donnerstagabend in Babelsberg alle Streifenbeamten angehalten, das Parken auf Radwegen verstärkt zu ahnden. „Das ist kein einfacher Verkehrsverstoß, sondern kann sehr gefährlich für die Radfahrer sein, wenn diese einen Bogen um das Auto machen müssen“, sagte Mathias Tänzer, stellvertretender Schutzbereichsleiter. Sei der Fahrer nicht in der Nähe, könnten die Beamten den Abschleppdienst benachrichtigen.
Am Donnerstag war die 33 Jahre alte Antje S., Mutter einer kleinen Tochter, auf der Großbeerenstraße tödlich verunglückt, als sie um einen Smart herumfuhr, der auf dem Radweg parkte. Der Pizza-Bote in dem Fahrzeug hatte die Tür geöffnet und die Frau auf die Straße gestoßen, wo sie von einem Mercedes erfasst wurde.
Fünf Tage nach dem tragischen Unglück gibt es offenbar immer noch keine Aussagen der beteiligten Autofahrer. „Sie sind bisher nicht vernommen worden“, sagte eine Sprecherin der Polizei gestern. Die Ermittlungen zur Unfallursache dauerten an, auch die Dekra-Fahrzeuggutachten stünden noch aus.
Unterdessen ist das gefährliche Parken auf markierten Radwegen, das den Unfall auslöste, Stadtgespräch. Das Problem treibt auch Hans-Peter Schauss um. Der MAZ-Leser schickte Momentaufnahmen von Montag aus der Großbeerenstraße. Darauf sind Autos, meist Kleintransporter, zu sehen, die auf dem Radstreifen stehen. Schauss mutmaßt, dass der Fahrer des abgebildeten Fahrzeugs wusste, dass genau auf der gegenüberliegenden Straßenseite wegen eines solchen „gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr“ eine Mitbürgerin getötet wurde und deshalb dort Blumen liegen. Die Stadt hat im April begonnen, kilometerweit Radwege in Potsdam zu markieren, um die Sicherheit für Radfahrer zu erhöhen.
„Warum gerade Du?“ fragen Angehörige und Freun-de der getöteten Radfahrerin. Sie haben die Unfallstelle vor der Pizza-Filiale in der Großbeerenstraße mit Grablichtern und Blumen geschmückt. Ein feuerrotes Kuscheltier bewacht das Blütenmeer aus Rosen, Nelken, Astern und Alpenveilchen. In einer Art Nachruf, der an den Straßenbaum genagelt ist, wird Antje S. als lebensfroher, hilfsbereiter Mensch voller Elan beschrieben, der mit der Arbeit verheiratet gewesen sei. „Antje, alle vermissen dich unendlich, egal, was an bestimmten Stellen versucht werden wird: Du bist nicht zu ersetzen“, heißt es in dem handschriftlichen Text, der in einer Klarsichthülle steckt. Er ist unterzeichnet: „Dein Bruder Stefan, Franziska und Pipi“.
Auf dem Heimweg stoppte eine Radlerin an der Unfallstelle, um „Anteil zu nehmen“, wie sie sagte. „Ich weiß, wie schrecklich das alles ist“, meinte die Frau, die in der Waldstadt wohnt. Ihr sei das Gleiche passiert. „Es war zum Glück in einer unbelebten Straße. Ein Autofahrer machte plötzlich seine Tür auf, ich stürzte, hatte überall lauter blaue Flecke und mein Rad war verbeult“, erzählte die Frau, die ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte. „Seitdem habe ich Angst, wenn ich an parkenden Autos vorbeifahre.“ (Von Ulrich Wangemann und Carola Hein)
Leider gilt Radweg-Parken, Gehsteig-Parken, Zebrastreifen-Parken, usw.usf. immer noch als "Kavaliersdelikt" - schliesslich wird dadurch niemand (direkt) gefaehrdet, so die Argumentation. Leider kommt es aber immer wieder zu schweren, manchmal toedlichen Unfaellen, die durch dummes und/oder ruecksichtsloses und/oder faules Parken verursacht werden (und/oder ploetzliches Aufreissen der Autotuer).
Der Polizei ist das de facto komplett wurscht. Ich kenne genuegend Stellen, an denen immer (und ich meine: immer!) Autos auf Geh- oder Radwegen stehen (und oft immer dieselben Autos), ohne dass etwas dagegen getan wuerde. Und irgendwann ist dann ein Unfall passiert, und es ist zu spaet. (Und dann wird die Polizei mal fuer ein paar Tage aktiv - siehe Artikel).