Laut STVO ist eine ebensolche am Fahrrad vorgeschrieben. Warum wohl? Vielleicht um sich akustisch ankündigen zu können, um einfach gehört zu werden, wenn man anrollt.
Beim Auto gibt es ja zusätzlich zum Aufheulen des Motors etwas Ähnliches. Leider habe ich das Gefühl, dass diese akustischen Signalanlagen bei Auto und Fahrrad in einen Topf geworfen werden, sei es in postings, Zeitungskommentaren ("anhupen"), oder in einer oft sichtbaren Reaktion der Passanten durch zackiges Herumspringen, wenn man seine Annäherung signalisiert.
Für mich sind das zwei unterschiedliche Dinge. Leider hat sich trotz Hupverbots in Wien soetwas wie in "Aus dem Weg Hupen" eingebürgert, wo Autofahrer mal schnell einen querenden Passanten nötigen, deren Fahrbahn zu verlassen. Dies stellt eigentlich eine mißbräuchliche Verwendung dieser Signalanlage dar.
Mag es sein, dass Radfahrer diese unangenehme Sitte ein wenig von Autofahrern abgeschaut haben, so möchte ich doch sehr dafür plädieren, das Läuten mit der Glocke am Fahrrad salonfähiger zu machen.
Wenn ich am Fahrrad läute, möchte ich sehr wohl, dass ich gehört werde, verlange aber nicht die Unmöglichkeit, sich sofort vom kombinierten Rad-Fussgeherweg in Luft aufzulösen, sondern möchte einfach nur die Passanten darauf aufmerksam machen, dass hier jetzt gleich ein an sich lautloses Fahrrad herangleitet. Sie sollen sich nicht schrecken, wenn das geschieht, deswegen sollen sie rechtzeitig durch Abgabe eins akustischen Zeichens informiert werden. Als Radfahrer kann ich ja bei weitem flexibler und sicherer einen Bogen um Passanten machen als Autofahrer. Die Angst, welche Passanten dann oft ins Gesicht geschrieben steht, verstehe ich leider nicht. Die Gefahr kommt von den Autos, und nicht von den Radfahrern. Nur sind Passanten und Radfahrer leider zu oft von der Strasse auf den letzten noch verbleibenden Freiraum zusammengepfercht.
Abschließend sei festgehalten, dass das Betätigen der Fahrradklingel also nicht einem respektlosen "Macht den Weg frei" gleichkommt, sondern ein umsichtiges, vorausschauendes Signalgeben ist. Leider werden Fahrradglocken oft gar nicht erst eingesetzt, und man wartet einen near miss ab. Auch nicht elegant. Fahrradfahrer sollten ruhig mal ein wenig mehr klingeln. Und Fussgeher sollten dies als höfliche sicherheitssteigernde Geste verstehen. Dieser Aspekt könnte in Zukunft vermehrt in beide Richtungen kommuniziert werden.
Klingel - Hupe - Glocke - akustische Signalanlage am Rad
(5 posts) (4 voices)-
Posted 1 year ago #
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Ich trau mich auch nicht mehr zu klingeln, weil sehr viele Fußgänger (vor allem ältere Leute) daa dann gleich als aggressive Geste werten und panisch zur Seite springen.
Posted 1 year ago # -
ich hab keine klingel mehr am rad. ich fahr einfach mehr oder weniger lautlos vorbei. ist für alle beteiligten sicherer und weniger nervenaufreibend, als wenn aufgescheuchte menschen plötzlich die flucht ergreifen wollen und dann erst recht in den weg laufen.
die grundsätzliche einstellung von whuzzup teile ich zwar, aber ich glaube nicht, daß sich das verhalten der fußgänger so bald ändern wird...
Posted 1 year ago # -
Ja, eben, das aufgescheuchte Beiseitespringen oder das Aus-dem-Weg-Zerren des Partners, damit er ja nicht überfahren wird, das halte ich für eine etwas übertriebene Reaktion, die mich immer wieder verwundert. Oft spreche ich die Menschen dann einfach an, und sage, ich hätte sie schon nicht überfahren, keine Angst. Als Radfahrer kann man ja im Gegensatz zu Autofahrern sehr gut und unmittelbar mit seinem Umfeld sprechen und in Kontakt treten. Offenbar sind die Passanten schon soweit konditioniert, dass sie beiseite springen, sobald auch nur irgendetwas mit Rädern dran in ihren Blickwinkel kommt ... In letzter Zeit habe ich mein städtisches Fahrverhalten auch etwas geändert- ich fahre nun langsamer, genieße die Fahrten noch mehr, und versuche freundlich und mit Gesten die Passanten vor mir über die Strasse zu lassen. Die Kontaktaufnahme, der Blickkontakt, ist dabei wichtig, eventuell ein freundliches Wort, oder mit der Hand vor einem vorbeiwinken. Oft bedanken sie sich dann. Genauso bedanke ich mich bei anderen Passanten oder Radfahrern, ja sogar bei Autofahrern mit einem Handwink, wenn sie mich vorlassen oder sonstwie zuvorkomend sind. Der grosse Vorteil der Radfahrer ist eben, dass sie im Gegensatz zu Autofahrern Menschen sind, die sprechen können, sich mitteilen können, schnell mal stehenbleiben, oder kurz ausweichen.
Ich halte es für ganz essentiell und wichtig, in einer Zeit steigender Fahrradmobilität, ein sehr proaktives und freundliches Miteinander der unmotorisierten, "schwächeren" Verkehrsteilnehmer (also Fussgeher und Radfahrer) zu gestalten. Gerade die Unmotorisierten sollten sich einander zugehörig fühlen, und den ihnen im öffentlichen Raum ohnehin schon knappsten zugesprochenen Platz friedlich und entgegenkommend miteinander teilen. Ein menschenfreundliches, leises, friedvolles Miteinanderumgehen ist eine wunderschöne Zukunft, die es zu beschreiten gilt.Posted 1 year ago # -
Das lautlose Vorbeifahren birgt, besonders dort wo man nicht mit ausreichender Sicherheitsabstand vorbeifahren kann, die Gefahr dass der Fußgänger unerwartet Richtung ändert und plötzlich unmittelbar vor dir landet. Außerdem finde ich es als Fußgänger unangenehm wenn ein Radfahrer knapp und unerwartet bei mir vorbeifährt.
Wenn ich unsicher bin ob der Fußgänger mich wahrgenommen hat habe mir zur Gewohnheit gemacht viel früher zu klingeln, und zwar 30 bis 50 m vor der Begegnung. Die meisten Fußgänger, hören mich, schätzen die Entfernung akustisch korrekt ein, schauen sich ruhig um und nehmen entspannt ein paar Schritte zur Seite. Wenn ich vorbeifahre sage ich danke.
Sollte es nicht klappen klingele ich etwas näher und in den ganz wenigen Fällen wo das auch schief geht muss ich halt langsam und vorsichtig vorbeifahren.
Posted 1 year ago #
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