PA, Fri, May 21, 2010 at 1:27 PM
Drohende Räumung der IG Treibstoff am Nordbahnhofgelände
Seit nunmehr fast 2 Wochen wird ein kleiner Bruchteil des 1000den m² brachliegenden
Nordbahnhofs von uns, der Wagengruppe Treibstoff, bewohnt, belebt und gestaltet. Der Kohlenhof 4, auf dem wir uns befinden, ist offensichtlich seit Jahren ungenützt und wird dies auch noch einige Zeit bleiben.
(Wir sehen in diesem Platz ideale Vorraussetzungen für die Verwirklichung unserer alternativen und experimentellen Lebensform. Trotz der zentralen Lage würden wir hier niemand zur Last fallen, da es keine unmittelbare Anrainerschaft gibt.)
Wir zeigen zum wiederholten Male auf, dass es zentrale, brachliegende, damit ungenützte,
Flächen in Wien gibt. In diesem Fall ist die OEBB, Besitzerin des Grundstücks, nicht an
einer Zwischennutzung interessiert. Durch Bemühungen unsererseits, wie die persönliche
Aushändigung eines Konzepts und einem Vertragsbeispiel einer erfolgreichen
Zwischennutzung auf Bahnhofsglände einer Wagengruppe in Bremen, gab es bis dato keine
Reaktion. Seitens der OEBB wird eine gnadenlos repressive Spekulationspolitik betrieben, in deren Logik Brachflächen sinnlos ungenützt bleiben, anstatt diese kreativ zwischen zu vermieten.
Ganz im Gegenteil wurde uns aus internen Kreisen vermittelt, dass die OEBB unser Vorhaben sanktionieren wolle. Es wurden uns Verwaltungsstrafen in Form von Besitzstörung und
unbefugten Betreten in der Höhe von bis zu 3000 Euro pro Person angedroht, sollten wir
das Gelände nicht unverzüglich verlassen. Hinzu kämen natürlich Kosten für die
Beschlagnahmung und Aufbewahrung unserer rollenden Lebensräume.
Die Verantwortlichen der Stadt Wien, wie Wohnbaustadtrat und Vizebürgermeister Michal Ludwig, sehen diesem existenzgefährdenden Treiben tatenlos zu.
Wir können und wollen es nicht akzeptieren, auf der einen Seite ignoriert zu
werden und auf der anderen Seite mit dermaßen repressiven Handlungen konfrontiert zu
sein.
Nach nicht nur einmaligen, sondern ausdrücklich mehrmaligen Versuchen mit der
Stadtregierung Wiens in Kontakt zu treten (siehe Beispielsweise: Offener Brief an den
Gemeinderat vom 08.04.2010), einen Dialog zu führen und Verantwortliche zu eruieren,
scheitern wir anscheinend nicht bloß an einer absoluten Intoleranz, sondern auch an einer
vollkommen untragbaren institutionellen Inkompetenz.
Doch jetzt ist die Zeit der Verhandlungen vorbei, bevor sie überhaupt begonnen hat. Anscheinend möchte die Stadt Wien überhaupt keine einvernehmliche Lösung anstreben, sondern setzt durch ihre Hinhaltetaktik und Ignoranz bewusst auf Eskalation. Wir aber können diesen ständigen
Nerven aufreibenden Kampf um unsere Lebensgrundlage nicht ewig mit diesen Mitteln
fortführen. Darunter leiden unser Privatleben, unsere Kinder und Familien sowie unsere
Arbeit und unsere finanzielle Situation. Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, den
jetzigen Platz am Wiener Nordbahnhof nicht mehr einfach so zu verlassen.
Unser Ziel ist nicht die Konfrontation, sondern das Aufzeigen unserer Ausweglosigkeit
sowie das Aufzeigen der Unfähigkeit und Kompromisslosigkeit der Verantwortlichen in der
Stadtregierung. Es wäre ein Leichtes für die Stadt Wien, sich mit der OEBB und uns zu
einigen, darüber hinaus wäre es ein Einfaches geeignete Gelände für Zwischennutzung wie
in der Krieau oder beispielsweise in der Baumgasse endlich für kulturelle und alternative
Zwischennutzungsprojekte frei zu geben.
Es kann so nicht mehr weiter gehen!
Her mit den Wagenplätzen!
Nieder mit spekulativer Stadtplanung!
Treibstoff brennt!
Kontakt: treibstoff@wagenplatz.at // treibstoff.wagenplatz.at
Pressetelefon unter 0681-10606784