Diese Liste wäre derart lang und ausführlich, dass ich mich fast schäme und wie ein blöder, querköpfiger Erbsenzähler fühle, wenn ich diese tatsächlich veröffentlichen sollte.
Aber in diesem Forum besteht zumindest die Möglichkeit, dass mich irgendwer versteht, also was solls...
1.) Das vielbeschworene »Miteinander« im Strassenverkehr.
Vollkommener Schwachsinn. Es gibt kein Miteinander. Es gilt einzig und alleine - so übertrieben martialisch das auch klingen mag - das Gesetz des Stärkeren. Und der sitzt nie und nimmer auf 15kg Alurohr. Man schreibe sich das zu allererst hinter seine Ohren.
2.) Die Verkehrs-»Regelung«.
Es wird (zumindest gilt dies für Wien) nicht der Verkehr, sondern ausschließlich der Kraftwagenverkehr geregelt (=beschleunigt). Dabei haben immer und überall sämtliche anderen Verkehrsteilnehmer auf irgend eine Weise Nachrang.
Ich bin kein Hobby-Radler, sondern bewerkstellige seit Jahren meinen kompletten Alltagsverkehr mit dem Fahrrad. Zu allen Jahreszeiten, bei jeder Witterung. Zu Beginn meiner Karriere als Radler haben mich die ganzen anderen Radfahrer gestört, die sich nie und nimmer an die Verkehrsregeln hielten und Stop-Tafeln ohne anzuhalten, oder Kreuzungen bei »Rot« überfuhren, ohne Helm unterwegs waren, und ähnliches mehr. Die waren es doch, welche in meinen diversen Diskussionen mit Autofahrern immer als schlechtes Beispiel dafür herhielten, wie furchtbar sich doch die Radfahrer verhielten.
Alles vorbei. Ich entschuldige mich hiermit eindringlich bei all diesen Radfahrern. Es ist einfach nicht möglich, sich an all die Regeln und Gesetze - welche ausschließlich dazu gemacht wurden, um einen möglichst schnellen und reibungslosen KFZ-Verkehr zu gewährleisten - zu halten, ohne in tiefste Depression zu verfallen. Ich fahre seit etwa sechs Monaten ohne Helm - und siehe da: Der dumpfe 220PS-Pilot hält beim Überholen tatsächlich mehr Abstand zu mir...!
Das packe ich einfach nicht, das ist mir irgendwie zu viel, das will nie in meinen Kopf hinein.
3.) Die Politik.
Es ist in Wahrheit völlig egal, um welche Partei es sich handelt. Heute möchte sich jede Partei ein wenig das »grüne Mäntelchen« umhängen. Vielleicht mit Ausnahme der FPÖ, die sind zumindest ehrlich asozial und ungut.
Da werden von allen Seiten schicke und bunte Folder verteilt, in welchen der brave - und sicher nicht radfahrende - Bürger lesen kann, wie viele zusätzliche Kilometer an Radwegen in Wien wieder realisiert wurden. Dies ist nicht mehr, als ein weiteres Ärgernis für ihn, denn diese idiotischen Radfahrer sind ja jetzt schon überall und haben keinen anderen Sinn, als den Verkehr (sowohl fließend als auch ruhend) zu behindern. Dass viele dieser im Folder so hübsch geschilderten Kilometer ausschließlich in den Statistiken wirklich Sinn machen, will ja Otto Normverbraucher weder begreifen, noch einsehen. Es sollten einmal Gesetze gebastelt werden, die jeden heimlichen Niki Lauda dazu zwingen, um acht Uhr den neuen Radfahrstreifen auf der Linzer Strasse zu benützen. Hei, des wär' a Hetz!
Am meisten ärgern mich wohl die Grünen. Von wem denn - wenn nicht von ihnen - könnte ich erwarten, dass der Verkehr mit dem Fahrrad als ernste und vollwertige Alternative zum Kraftwagenverkehr gesehen werden muß?!
Die schieben dann jahrelang (falsch: eigentlich fast schon jahrzehntelang) Meldungen, wie vom legendären »Rad-Highway« im Wiental vor sich her, welcher sich inzwischen als »gelegentlich, und nur bei guter Witterung ein wenig benutzbare Spielfläche für Hobby-Radler« geoutet hat.
Das Resümee:
Es stimmt - und da kann ich selbst als Zyniker der ersten Stunde nichts dagegen sagen - das Thema »Radfahren« hat sich in den letzten Jahren zweifellos ein wenig mehr in den Mittelpunkt gespielt, obgleich es gleichzeitig noch elend weit von diesem entfernt ist. Aber nun beginnt das Ganze zu stocken. Man ist (zumindest ein Wien, oder vielleicht auch in anderen großen Städten) bei einem Punkt angelangt, wo es nicht mehr ohne (scheinbare) Schmerzen und Verluste geht, dem Radverkehr einen echten Stellenwert einzuräumen. Und dies wird ohne Druck von außen auch garantiert nie geschehen.
Erst wenn der Liter Sprit fünf Euro kostet, wenn eine Krise den Otto NV zum Nachdenken zwingt, wenn die Menschen in den Städten ersticken oder pro Tag 30-40 Menschen pro Stadt von Autos niedergemäht würden, erst dann würde eventuell eine Änderung der Verhältnisse stattfinden.
Das ist irgendwie schade.
Und daher werde ich - selbst in meinem leicht fortgeschrittenen Alter - am kommenden Freitag das erste Mal bei einer CM mitfahren.
Vielleicht tut sich ja doch irgendwas.
Vielleicht...!